ÜBER SPRACHE

Posts mit dem Label IPA werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label IPA werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 21. August 2014

Klicksprachen

06:21 Posted by uebersprache , , , 1 comment
Da ich Afrikanistik studiere, bekomme ich häufig zu hören:
„Sprechen die da nicht alle mit Schnalz- und Klicklauten?“

Die Aussage kann man verneinen, da auf dem afrikanischen Kontinent eine immense Sprachvielfalt existiert und man daher nicht generalisieren kann.

Trotzdem gibt es Sprachen, die Klicklaute enthalten, auch wenn es nicht viele sind, einige dieser Sprachen aussterben und viele die Klicks in ihrem Phoneminventar verlieren.
Aber zunächst einmal zu den Lauten – den Klicks: Was ist eigentlich ein Klick?

Klicks sind Phone (Laute) die auch eigene IPA-Symbole haben: ʘ, ǀ, ǃ, ǂ, ǁ. 
Besonders an den Klicks ist die Luftzirkulation. Anders als bei den meisten Lauten wird der Luftstrom aus der Lunge nicht modifiziert, sondern es tritt ein Verschluss durch den hinteren Gaumen (Velum) statt. Durch diesen Verschluss ist es möglich, im Mundraum durch verschiedene Vorgehensweisen einen Unterdruck zu erzeugen. Meist wird der Unterdruck durch die Zunge erzeugt, die wie ein Saugnapf am Gaumen klebt. Löst man die Zunge nun, entweicht die Luft schlagartig und ein Klick ist zu hören. Es gibt aber auch einen Klick, der nicht durch die Zunge produziert wird: Der bilabiale Klick wird durch die Lippen erzeugt, die zusammengepresst nach vorne gestülpt werden, sodass ein Laut entsteht, der z.B. produziert wird, wenn ein Kuss simuliert wird. Insgesamt existieren diese Klicks in vielen Sprachen als Ausdruck des Missfallens oder zum Locken von Tieren.
Hier ein Video über Klicks im Khoekhoegowab:

Um nun auf das Thema, also die Klicksprachen, zurückzukommen: Wo kommen die Klicklaute denn wirklich als Phoneme vor?

Hauptsächlich und wahrscheinlich auch ursprünglich kommen sie in den Khoisansprachen vor, einer der Sprachfamilien Afrikas, von der angenommen wird, dass ihre Sprachen früher in weiten Teilen von Afrikas Süden gesprochen worden sind. Heutzutage werden diese Sprachen hauptsächlich in Namibia und umliegenden Ländern 
gesprochen. Die Sprecher dieser Sprachen wurden während des Kolonialismus Buschmänner und Hottentotten genannt. Auch ein paar umliegende Bantusprachen haben Klicks in ihre Phoneminventare aufgenommen, wie z.B. Zulu und Xhosa, die in Südafrika gesprochen werden. Bekannt geworden ist die südafrikanische Sängerin Miriam Makeeba, die wie im Click Song auch in Xhosa sang.

Mittwoch, 20. August 2014

Laute zum Schreiben

17:28 Posted by uebersprache , No comments
Das digitale Schreiben von IPA-Zeichen kann ziemlich umständlich sein, wenn man sich die Zeichen einzeln aus der Zeichentabelle holt oder gar aus anderen Dokumenten kopiert.
Eine einfachere Handhabung bieten folgende Möglichkeiten:

Die Zeichen hier lassen sich leicht verorten und später kopieren. Ideal für kurzen Gebrauch.

Für häufigeren Gebrauch lohnt sich ein IPA-Font, dessen Gebrauch mit etwas Aufwand erlernt werden kann.

Gebraucht man einige Zeichen besonders häufig, so lohnt es sich, seine eigene Tastatur zu modifizieren.
Dazu kann hier der Microsoft Keyboard Layout Creator heruntergeladen werden. Werden nähere Erklärungen hierzu gebraucht, einfach in den Kommentaren nachfragen.

Lautschriften und Klassifikation von Lauten

14:08 Posted by uebersprache , , No comments
Wie schon erklärt, behandelt die Phonetik die Oberfläche der Sprache, beschreibt also die physikalisch produzierten Laute.
Wenn wir nun versuchen, alle uns bekannten Laute auszusprechen und auch noch aufzuschreiben, stoßen wir auf zwei große Probleme:

1.    Wir wissen nicht wo wir anfangen und aufhören sollen - allein in der deutschen Sprache gibt es viele verschiedene Laute, die wir gerne in eine Ordnung bringen wollen. Dazu müssen wir uns anschauen, was es für Kategorien gibt, und versuchen, all diese Laute zu klassifizieren.
2.    Wir haben erst einmal keine Möglichkeit, diese Laute distinktiv, also unterscheidend, zu notieren. Benutzen wir die deutsche Schrift dafür, fällt uns schon auf, dass z. B. der Laut, der am Ende des Wortes „Buch“ durch „ch“ wiedergegeben wird, nicht der gleiche ist, wie der, der im Wort „Bücher“ durch „ch“ wiedergegeben wird. Wir brauchen also eine allgemein gültige Lautschrift, mit der wir in der Lage sind, die verschiedenen Laute der Sprachen distinktiv zu notieren.

Wir gehen also als erstes einmal das Problem der Klassifikation an und versuchen dazu, die Phone (Laute) zu unterscheiden und Kategorien, in die wir sie einteilen können, zu finden. Zwei Hauptkategorien sind uns dabei schon aus der Schule bekannt: Vokale und Konsonanten.
Was der genaue Unterschied zwischen ihnen ist, will ich in diesem Post noch nicht verdeutlichen. Da jeder den Unterschied im Sprachgefühl beherrscht, werde ich erst einmal diese Kategorien in weitere Unterkategorien aufteilen.
Um Konsonanten grob zu beschreiben, können wir versuchen herauszufinden, wo im Mund und Rachen sie gebildet werden, wie sie gebildet werden und ob die Stimmlippen dabei mitschwingen oder nicht. Ein weiterer Post wird das noch einmal genauer unter die Lupe nehmen.
Nehmt euch zum Beispiel einmal den deutschen Konsonanten <t> und versucht, ihn zu beschreiben. Zur Frage „wo?“ also zur Frage des Artikulationsorts kann man sagen, dass er direkt hinter den Zähnen mit der Zungenspitze gebildet wird. Dieser Ort wird Zahndamm (die „Alveolen“) genannt und damit können wir diesen Laut als „alveolar“ bezeichnen. Wenn wir noch mehr deutsche Laute unter die Lupe nehmen, merken wir, dass auch die deutschen Laute <n>, <s>, <d> und <l> am gleichen Ort gebildet werden. Also sind auch diese Laute alveolar.
Auch die Vokale kann man in bestimmte Kategorien unterteilen.

Wenn dann alle Laute kategorisiert worden sind, können wir versuchen, sie in Tabellen einzutragen. Und genau das hat die „International Phonetic Association“ gemacht.
Natürlich hat sie dafür nicht die Englische oder Deutsche Rechtschreibung genommen, sondern hat jedem Laut ein eigenes Zeichen gegeben, dass universal in jedem Land gebraucht werden kann. Mit dieser Lautschrift soll jede Sprache der Welt lautlich wiedergegeben werden können.
Wer sich das einmal anschauen will, kann unter diesem Link eine PDF mit allen Zeichen bekommen. Das sieht auf den ersten Blick sehr kompliziert aus, aber wer genauer hinschaut, sieht, dass viele Zeichen der lateinischen Schrift ähnlich sind und dass das meistens genau die gleiche Schrift ist, die auch in vielen Lehrbüchern für Sprachen benutzt wird, um die Aussprache zu verdeutlichen.
Natürlich gab es auch andere Gruppierungen und Gesellschaften, die andere Lautschriften entwickelt haben, aber die sogenannte IPA hat sich am meisten durchgesetzt und wird in vielen Universitäten und auch in den meisten Lehr- und Wörterbüchern verwendet.