ÜBER SPRACHE

Posts mit dem Label Grundlagen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Grundlagen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 23. September 2014

Wenn Sätze gespalten werden

07:17 Posted by uebersprache , , No comments
Es gibt einige Strategien in den Sprachen der Welt, bestimmte Elemente zu fokussieren. Mal durch Intonation, mal durch Passivkonstruktionen oder auch durch Satzstellung. Fokus ist wichtig, um die entscheidende Information in einem Satz zu markieren und daher eine Kategorie, die auf die eine oder andere Art wahrscheinlich in allen Sprachen zu finden ist.

Um zu fokussieren werden Sätze manchmal sogar gespalten. Dieses Phänomen heißt Clefting, ist in einigen Sprachen zu finden und kann auch im Deutschen auftreten:

„Es ist die Sprache, die wir studieren.“

Was passiert hier genau?
Eigentlich könnte der Satz etwas simpler „Wir studieren die Sprache“ heißen. Das hervorgehobene Objekt „die Sprache“ wird jedoch abgespalten und in einem Hauptsatz zum Subjekt gemacht. Die restliche Information wird in einen Relativsatz gepackt, der das Subjekt näher beschreibt. So wird „die Sprache“ in der Hierarchie weit hochgestellt.
Im Deutschen benutzt man dafür meist die Formel:

„Es“ – fokussiertes Element – Kopula –  , – Relativpronomen – restlicher Satz

Der Satz mag ein wenig künstlich oder altmodisch klingen, Cleft-Konstruktionen sind aber in anderen Sprachen, wie dem Englischen um einiges produktiver und haben verschiedenste Ausprägungen.

So ist im Yorùbá (Niger-Kongo, Westafrika) ein Cleftsatz bei Ergänzungsfragen obligatorisch. – Das Fragewort wird fokussiert und genauso in der Antwort der Satzteil, der erfragt worden war.

ni
o
fẹ́?
Was
COP
2SG
wollen

Was willst du?

Eigentlich ziemlich logisch, oder? Dass in der Regel bei Fragen das Fragewort im Fokus steht, sieht man auch an der initialen Satzstellung im Deutschen: „Wann stehst du auf?“


Dienstag, 26. August 2014

Am Ende wird es stimmlos

08:17 Posted by uebersprache , , No comments
Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, wo der Aussprache-Unterschied zwischen „Rat“ und „Rad“ liegt? Da kann man lange suchen, denn es gibt keinen. Beide Wörter werden gleich ausgesprochen und gleichermaßen transkribiert: [ʁa:t]

Woran liegt das? Und vor allem: Warum werden die beiden Wörter unterschiedlich geschrieben?
Dass sie unterschiedlich geschrieben werden, macht bei genauerem Hinschauen schon Sinn, denn was dem Laut am Ende des Wortes „Rad“ zu Grunde liegt ist tatsächlich ein d, das durch den Plural (Räder) zum Vorschein kommt. Aber warum nun die Aussprache [t]?
Dieses Phänomen wird Auslautverhärtung genannt und ist ein phonologischer Prozess, der in einzelnen Sprachen wie zum Beispiel im Russischen oder Türkischen vorkommt. Auch im Deutschen ist er äußerst produktiv, weswegen er auch auf Fremdwörter angewandt wird und daher unseren deutschen Akzent ausmacht. Somit liegen Kinder eigentlich gar nicht so falsch, wenn sie intuitiv „Walt“ statt „Wald“ schreiben.

Die Auslautverhärtung ist ein Prozess, bei dem einige Konsonanten am Wort- oder Silbenende ihre Stimmhaftigkeit verlieren. Somit wird z.B. aus [d] ein [t], aus [b] ein [p], aus [v] ein [f] oder aus [g] ein [k].
Prüft es durch Aussprache der folgenden Wörter:

„brav“ – „braves“
„Wald“ – „Wälder“
„lieb“ – „liebe“
„Sand“ – „sandig“
„Krug“ – „Krüge“

Freitag, 22. August 2014

Konsonanten vs. Vokale

02:54 Posted by uebersprache , 1 comment
Warum unterscheiden wir Vokale und Konsonanten? Und was genau ist der Unterschied?

Versuchen wir es einmal selbst herauszufinden:
Als erstes sprechen wir den Laut [p] aus. Es fällt auf, dass der Mund ganz geschlossen wird, bevor ein Luftstrom herausschnellt. Sprechen wir den Laut [n] aus, so schließen wir den Mund durch die Zunge ab und die Luft entweicht durch die Nase. Das kann man leicht prüfen, indem man seine Nase verschließt und merkt, dass die Produktion des Lautes nicht mehr möglich ist. Sprechen wir ein [f], so fällt auf, dass die Luft durch eine ganz kleine Lücke zwischen Zähnen und Lippe entweicht. Man nennt das eine kritische Enge. Es gibt noch andere Arten, Konsonanten zu bilden, doch vergleichen wir sie nun einmal mit Vokalen: Sprechen wir [a], [i], [u], etc. aus, so wird der Luftstrom weder durch einen Verschluss noch durch andere Mechanismen gehemmt. Der Luftstrom wird höchstens durch die Lippen, die Zungenlage und die Zungenhöhe modifiziert:
Quelle: Wikipedia


Man sagt auch Vokale sind sonorer als Konsonanten, haben also eine größere Schallfülle. Der Begriff VOKAL leitet sich übrigens von lateinisch vocalis – „tönend“ ab (vgl. vox – „Stimme“).
Häufig tragen Vokale eine Silbe, das heißt, sie bilden den Kern der Silbe.

Hat also jede Silbe mindestens einen Vokal, der die Silbe trägt? Nein, denn besonders sonore Konsonanten wie zum Beispiel das gerollte R [r] oder Nasale wie [m] oder [n] können auch als Silbenkern fungieren. So existiert zum Beispiel im Tschechischen der Satz Strč prst skrz krk – „Steck den Finger durch die Kehle“ ohne Vokale. Und in afrikanischen Niger-Kongo-Sprachen können Nasale auch Töne tragen, sodass sie zum Silbenkern werden. Silbische Nasale kommen aber genauso auch im Deutschen vor. Sprechen wir das Wort „haben“ aus, so wird meist [ha:bm̩] produziert und trotzdem existieren noch zwei Silben. Den zweiten Silbenkern bildet das m.

Mittwoch, 20. August 2014

Das Rezept für ein Wort

14:09 Posted by uebersprache , No comments
Eine spannende Frage der Linguistik ist: Wie entsteht ein Wort?
Wollen wir der Frage auf den Grund gehen, machen wir das hauptsächlich in der Ebene der Morphologie, die sich mit Wörtern, ihren Bestandteilen und ihrer Bildung auseinandersetzt.

Stellt euch nun einmal ein ganz simples Wort vor!
Wenn ein Wort ganz simpel sein soll, dann liegt es nahe, ein Nomen zu nehmen und zwar eines, das einen konkreten Gegenstand beschreibt. So ein Wort kann man sich sofort bildlich vorstellen.
Ihr Wort wird nun wahrscheinlich in der Einzahl stehen – so simpel wie möglich eben.
So ein Wort könnte nun „Baum“ oder „Haus“ oder „Berg“ sein.
All diese Wörter können wir nicht in einzelne Wort-Bestandteile zertrennen - in unserer morphologischen Ebene sind diese Elemente also Grundbausteine, die wir Morpheme nennen. Und Morpheme sind die kleinsten bedeutungstragenden Teile in einer Sprache, was an den Beispielen gut zu erkennen ist. Das „Baum“ eine Bedeutung trägt, dürfte klar sein, genauso auch die Tatsache, dass eine kleinere Einheit von Baum, also zum Beispiel „b“ keine Bedeutung trägt, sehr wohl aber bedeutungsunterscheidend ist. Würden wir es z. B. durch „r“ ersetzen, erhielten wir eine andere Bedeutung: „ Raum“.
Kommen wir aber nun zurück zu den bedeutungstragenden Bausteinen, den Morphemen. Mit denen können wir jetzt neue Wörter „bauen“: Baum-Haus zum Beispiel.
Diese Art zu „bauen“ nennen wir Komposition, aber es gibt noch einige andere Arten zu bauen.
Zum Beispiel können wir ein anderes Morphem, was ganz unscheinbar so aussieht:  „-heit“, an das Morphem „Mensch“ anbauen und schon haben wir nicht nur einen Mensch, sondern die ganze „Mensch-heit“! Wer mir nicht glaubt, dass auch „-heit“ ein Morphem ist, dem kann ich sagen, dass es doch bedeutungstragend ist, also eine weitere Bedeutungskomponente an die andere Bedeutungskomponente (Mensch) anbaut.

Was nun deutlich geworden sein müsste, ist, dass ein Wort sowohl aus einem Morphem („Mensch“), als auch aus mehreren Morphemen bestehen kann („Menschheit“).
Die deutsche Sprache kann quasi unendlich viele Morpheme aneinanderreihen und herauskommen können Wörter wie:

Bereitschaftsdienstableisterinnentagung
Entdeckt ihr auch elf Morpheme?

Linguistik - ihre Ebenen und Bausteine

13:55 Posted by uebersprache No comments
Sprache ist multidimensional. Um sie beschreiben zu können, müssen wir also in mehreren Ebenen denken.

Gehen wir also zuerst einmal ganz oberflächlich an die Sprache heran. Angenommen wir nehmen eine für uns fremde Sprache war, so wird all das, was wir rein physikalisch wahrnehmen, von der Phonetik beschrieben. Die Bausteine der Phonetik sind Phone, also Laute, aus denen sich Sprache zusammensetzt. Phonetik befasst sich damit, wie Laute entstehen, wie wir sie klassifizieren – also in Gruppen einteilen können, wie die Laute übertragen werden und wie wir sie als Signal aufnehmen.
Wollen wir innerhalb der lautlichen Ebene unter die Oberfläche schauen, so befassen wir uns damit, in welcher Umgebung verschiedene Laute stehen, wie Laute sich verändern und sich beeinflussen und zum Beispiel wie eine Silbe aufgebaut ist. Anstelle von Phonen, die oberflächlich physikalisch wahrnehmbare Laute sind, beschäftigt sich diese nächste Ebene, die Phonologie, mit Phonemen – abstrakte bedeutungsunterscheidende Bausteine. So kann in einer Sprache zum Beispiel das Phonem /r/ durch verschiedene r-Laute (Phone) realisiert werden. Wir können es durch ein Zungenschlag-r [ɾ], ein am Zäpfchen gerolltes [ʀ] oder ein dort „geriebenes“-r [ʁ] realisieren ohne eine bedeutungsunterscheidende Wirkung zu haben.
Aus den Phonemen werden aber nicht gleich Wörter gemacht, denn in der nächsten Ebene, der Morphologie, beschäftigen wir uns nicht direkt mit Wörtern, sondern erst einmal mit meist kleineren Bausteinen, den Morphemen. Wenn wir uns nämlich zum Beispiel deutsche Wörter einmal anschauen, sind darin oft mehrere bedeutungstragende Teile kombiniert. Zum Beispiel das Wort „Volkslieder“ enthält vier bedeutungstragende Bausteine (Morpheme). Das offensichtlichste ist hier wohl „Lied“. Zwischen Volkslieder und Lied ist aber ein Bedeutungsunterschied, der daher rührt, dass durch andere Morpheme, wie zum Beispiel „Volk“, das Fugenmorphem „-s-“ und das „-er“, welches die Mehrzahl anzeigt, die Bedeutung verändert wird.  Die Morphologie beschäftigt sich also damit, was Morpheme sind, wie sie klassifiziert werden können und wie aus ihnen Wörter werden.
Wie dann aus Morphemen und Wörtern erst Phrasen und dann Sätze werden, erklärt die Syntax. Sie erforscht Regeln zur Bildung von Sätzen und erklärt dadurch, wie aus der Gesamtheit der Einzelbedeutungen von Wörtern komplexe Gedanken in einem Satz werden können.  Phrasen sind dabei erste Zusammenfügungen von Wörtern, die dadurch gekennzeichnet sind, dass ein Wort die anderen regiert, also beeinflusst. So haben wir zum Beispiel in einer Nominalphrase „ein großes Haus“ das Nomen, welches die anderen in Kasus Numerus und Genus beeinflusst. Deshalb können wir auch nicht sagen „eine großen Haus“.
Eine ganz andere Ebene, die sich nicht mit dem formalen Aufbau von Sprachbausteinen beschäftigt, sondern allgemein mit ihrer Bedeutung, nennt man Semantik.  Sie befasst sich nicht nur mit der Einzelbedeutung, sondern auch, wie sich diese Bedeutung im Satzzusammenhang verändern kann und wie Wörter nur in bestimmten Kontexten Bedeutungen erlangen können.
Was Wörter und Sätze in der realen Welt bewirken, beschreibt die Pragmatik. Ihre Forschungsgegenstände sind also Sprechsituationen und Gespräche, die nach bestimmten Regeln ablaufen müssen, um die Intention des Sprechers auch beim Hörer ankommen zu lassen. So kann die Bedeutung eines Satzes, wenn er in einem bestimmten Zusammenhang gesprochen wird, durch Ironie umgekehrt werden. Wie das funktioniert erklärt die Pragmatik.

Sprache kann also in all diesen Ebenen erforscht werden. Dabei muss aber bedacht werden, dass sie alle Schnittstellen haben. So kann zum Beispiel durch phonologische Prozesse, wie durch die Satzintonation, die Semantik (also Bedeutung) geändert werden. Also sind diese Ebenen wichtig, um Sprache zu unterteilen und sie gezielt erforschen zu können, doch muss man feststellen, dass Sprache sich nicht wie eine Torte in Stücke teilen lässt, sondern immer auch als Ganzes gesehen werden muss.