ÜBER SPRACHE

Donnerstag, 28. August 2014

Wie funktionieren chinesische Wörterbücher?

02:04 Posted by uebersprache , , , No comments
Heutzutage ist das Problem gar nicht mehr so relevant, denn das Internet bietet zahlreiche online-Ressourcen, die die Suche nach chinesischen Schriftzeichen enorm erleichtern. So kann man zum Beispiel bei nciku.com mit der Maus Schriftzeichen zeichnen und dann relativ effektiv erkennen lassen.

Aber wie lief das früher? Wie konnte man ein Schriftzeichen, das man nicht kennt, in einem Wörterbuch finden?

Nun, zunächst einmal sind die meisten Lexika und Wörterbücher alphabetisch nach der Romanisierung geordnet. Das heißt, alle Schriftzeichen können nach ihrer Aussprache in lateinische Buchstaben übertragen und somit alphabetisch geordnet werden. Aber das hilft uns ja immer noch nicht weiter, wenn wir die Aussprache nicht kennen, die aus den chinesischen Zeichen nicht klar ersichtlich ist. Dafür gibt es vorne einen Index. Um unser Zeichen darin zu finden, müssen wir nun das Radikal finden. Das Radikal ist eine prägnante Einheit, die oft eine Sinnkomponente des Wortes wiedergibt. Meist steht es an der linken Seite des Zeichens, aber das muss nicht immer so sein. Lernt man die chinesische Sprache und Schrift, so wird man darauf geschult, diese Radikale zu finden.
Nehmen wir nun das Zeichen . Hier ist das Radikal die linke Komponente, die angibt, dass das Zeichen etwas mit Sprache zu tun haben muss. Im Index sind zunächst die Radikale nach ansteigender Strichanzahl aufgelistet. Unser Radikal hat zwei Striche. Haben wir das Radikal nun im ersten Index gefunden, so wird uns eine Zahl angezeigt. Die Zahl bringt uns im nächsten Index zu allen Zeichen, die das Radikal enthalten. Diese sind wiederum nach Strichanzahl der restlichen Komponenten geordnet. Unsere zweite Komponente hat sechs Striche und mit dieser Info finden wir das ganze Zeichen mit der Aussprache. Unter dieser Aussprache können wir es nun im eigentlichen Wörterbuch finden.

Man sieht, das ist ein ziemlicher Aufwand, aber durch Übung wird man schneller und schneller. Außerdem hilft wie gesagt der technische Fortschritt heutzutage enorm bei der Suche nach Schriftzeichen.


Dienstag, 26. August 2014

Was nach dem Tod bleibt

12:18 Posted by uebersprache , , No comments
Dass mehr und mehr Sprachen bedroht sind und im Begriff sind zu sterben, sollte langsam in der Öffentlichkeit angekommen sein. Es wird davon ausgegangen, dass in ca. einem Jahrhundert nur noch ein Bruchteil von dem übrig sein wird, was wir als Sprachenreichtum der Erde bezeichnen.
Programme zur Stärkung oder sogar Revitalisierung von Sprachen sind eine gute Sache, doch der Sprachtod ist wegen zunehmender Globalisierung häufig nicht zu umgehen. Was also tun?

Nicht nur die Linguistik hat es sich in den letzten Jahren zur Aufgabe gemacht, sterbende Sprachen zu dokumentieren, um sie weiterhin erforschen zu können, ihr Kulturgut zu konservieren und zu archivieren. Dass Sprachen Träger des Kulturguts von Völkern ist, hat auch die UNESCO erkannt und will auf das Aussterben aufmerksam machen. Durch ihren Atlas of the World’s Languages in Danger sollen gefährdete Sprachen lokalisiert und ihr Vitalitäts-Grad sichtbar gemacht werden. Andere große Projekte zur Archivierung gehen zum Beispiel vom Max-Planck-Institut oder von der SOAS London aus.

Atlas of the World's Languages in Danger
Praktisch sieht Sprachdokumentation folgendermaßen aus: Ausgestattet mit Kamera und Mikrophon gehen Linguisten, aber auch Anthropologen etc., auf Feldforschung, zeichnen Gespräche, alltägliche Situationen usw. auf und annotieren und übersetzen die Aufnahmen mit Hilfe der Sprecher, um Bedeutung und Grammatik festzuhalten.

Es ist daher Aufgabe vor allem der Linguisten Sprachen und ihren Kontext zu dokumentieren, um sie auch für nachfolgende Generationen greifbar zu machen. Projekte wie zum Beispiel das Endangered Languages Project von Google lassen es aber mittlerweile auch zu, dass Laien Aufnahmen etc. online stellen können.

Am Ende wird es stimmlos

08:17 Posted by uebersprache , , No comments
Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, wo der Aussprache-Unterschied zwischen „Rat“ und „Rad“ liegt? Da kann man lange suchen, denn es gibt keinen. Beide Wörter werden gleich ausgesprochen und gleichermaßen transkribiert: [ʁa:t]

Woran liegt das? Und vor allem: Warum werden die beiden Wörter unterschiedlich geschrieben?
Dass sie unterschiedlich geschrieben werden, macht bei genauerem Hinschauen schon Sinn, denn was dem Laut am Ende des Wortes „Rad“ zu Grunde liegt ist tatsächlich ein d, das durch den Plural (Räder) zum Vorschein kommt. Aber warum nun die Aussprache [t]?
Dieses Phänomen wird Auslautverhärtung genannt und ist ein phonologischer Prozess, der in einzelnen Sprachen wie zum Beispiel im Russischen oder Türkischen vorkommt. Auch im Deutschen ist er äußerst produktiv, weswegen er auch auf Fremdwörter angewandt wird und daher unseren deutschen Akzent ausmacht. Somit liegen Kinder eigentlich gar nicht so falsch, wenn sie intuitiv „Walt“ statt „Wald“ schreiben.

Die Auslautverhärtung ist ein Prozess, bei dem einige Konsonanten am Wort- oder Silbenende ihre Stimmhaftigkeit verlieren. Somit wird z.B. aus [d] ein [t], aus [b] ein [p], aus [v] ein [f] oder aus [g] ein [k].
Prüft es durch Aussprache der folgenden Wörter:

„brav“ – „braves“
„Wald“ – „Wälder“
„lieb“ – „liebe“
„Sand“ – „sandig“
„Krug“ – „Krüge“

Sonntag, 24. August 2014

Vokabeln lernen

10:43 Posted by uebersprache , No comments
Für alle, die es noch nicht kennen: Ich empfehle wärmstens das kostenlose Vokabel-Programm ANKI, mit dem sich Karteikarten-Stapel leicht organisieren lassen. Die Karteikarten werden an die menschliche Gehirnleistung angepasst abgefragt. Vor allem für unterwegs lohnt sich die App für Smartphones oder Tablets. Um auf allen Geräten auf dem gleichen Stand zu sein und um immer ein Backup zu haben, lässt sich die eigene Datenbank leicht mit AnkiWeb synchronisieren. 




Freitag, 22. August 2014

Konsonanten vs. Vokale

02:54 Posted by uebersprache , 1 comment
Warum unterscheiden wir Vokale und Konsonanten? Und was genau ist der Unterschied?

Versuchen wir es einmal selbst herauszufinden:
Als erstes sprechen wir den Laut [p] aus. Es fällt auf, dass der Mund ganz geschlossen wird, bevor ein Luftstrom herausschnellt. Sprechen wir den Laut [n] aus, so schließen wir den Mund durch die Zunge ab und die Luft entweicht durch die Nase. Das kann man leicht prüfen, indem man seine Nase verschließt und merkt, dass die Produktion des Lautes nicht mehr möglich ist. Sprechen wir ein [f], so fällt auf, dass die Luft durch eine ganz kleine Lücke zwischen Zähnen und Lippe entweicht. Man nennt das eine kritische Enge. Es gibt noch andere Arten, Konsonanten zu bilden, doch vergleichen wir sie nun einmal mit Vokalen: Sprechen wir [a], [i], [u], etc. aus, so wird der Luftstrom weder durch einen Verschluss noch durch andere Mechanismen gehemmt. Der Luftstrom wird höchstens durch die Lippen, die Zungenlage und die Zungenhöhe modifiziert:
Quelle: Wikipedia


Man sagt auch Vokale sind sonorer als Konsonanten, haben also eine größere Schallfülle. Der Begriff VOKAL leitet sich übrigens von lateinisch vocalis – „tönend“ ab (vgl. vox – „Stimme“).
Häufig tragen Vokale eine Silbe, das heißt, sie bilden den Kern der Silbe.

Hat also jede Silbe mindestens einen Vokal, der die Silbe trägt? Nein, denn besonders sonore Konsonanten wie zum Beispiel das gerollte R [r] oder Nasale wie [m] oder [n] können auch als Silbenkern fungieren. So existiert zum Beispiel im Tschechischen der Satz Strč prst skrz krk – „Steck den Finger durch die Kehle“ ohne Vokale. Und in afrikanischen Niger-Kongo-Sprachen können Nasale auch Töne tragen, sodass sie zum Silbenkern werden. Silbische Nasale kommen aber genauso auch im Deutschen vor. Sprechen wir das Wort „haben“ aus, so wird meist [ha:bm̩] produziert und trotzdem existieren noch zwei Silben. Den zweiten Silbenkern bildet das m.

Donnerstag, 21. August 2014

Klicksprachen

06:21 Posted by uebersprache , , , 1 comment
Da ich Afrikanistik studiere, bekomme ich häufig zu hören:
„Sprechen die da nicht alle mit Schnalz- und Klicklauten?“

Die Aussage kann man verneinen, da auf dem afrikanischen Kontinent eine immense Sprachvielfalt existiert und man daher nicht generalisieren kann.

Trotzdem gibt es Sprachen, die Klicklaute enthalten, auch wenn es nicht viele sind, einige dieser Sprachen aussterben und viele die Klicks in ihrem Phoneminventar verlieren.
Aber zunächst einmal zu den Lauten – den Klicks: Was ist eigentlich ein Klick?

Klicks sind Phone (Laute) die auch eigene IPA-Symbole haben: ʘ, ǀ, ǃ, ǂ, ǁ. 
Besonders an den Klicks ist die Luftzirkulation. Anders als bei den meisten Lauten wird der Luftstrom aus der Lunge nicht modifiziert, sondern es tritt ein Verschluss durch den hinteren Gaumen (Velum) statt. Durch diesen Verschluss ist es möglich, im Mundraum durch verschiedene Vorgehensweisen einen Unterdruck zu erzeugen. Meist wird der Unterdruck durch die Zunge erzeugt, die wie ein Saugnapf am Gaumen klebt. Löst man die Zunge nun, entweicht die Luft schlagartig und ein Klick ist zu hören. Es gibt aber auch einen Klick, der nicht durch die Zunge produziert wird: Der bilabiale Klick wird durch die Lippen erzeugt, die zusammengepresst nach vorne gestülpt werden, sodass ein Laut entsteht, der z.B. produziert wird, wenn ein Kuss simuliert wird. Insgesamt existieren diese Klicks in vielen Sprachen als Ausdruck des Missfallens oder zum Locken von Tieren.
Hier ein Video über Klicks im Khoekhoegowab:

Um nun auf das Thema, also die Klicksprachen, zurückzukommen: Wo kommen die Klicklaute denn wirklich als Phoneme vor?

Hauptsächlich und wahrscheinlich auch ursprünglich kommen sie in den Khoisansprachen vor, einer der Sprachfamilien Afrikas, von der angenommen wird, dass ihre Sprachen früher in weiten Teilen von Afrikas Süden gesprochen worden sind. Heutzutage werden diese Sprachen hauptsächlich in Namibia und umliegenden Ländern 
gesprochen. Die Sprecher dieser Sprachen wurden während des Kolonialismus Buschmänner und Hottentotten genannt. Auch ein paar umliegende Bantusprachen haben Klicks in ihre Phoneminventare aufgenommen, wie z.B. Zulu und Xhosa, die in Südafrika gesprochen werden. Bekannt geworden ist die südafrikanische Sängerin Miriam Makeeba, die wie im Click Song auch in Xhosa sang.

Mittwoch, 20. August 2014

Feldforschung - Trockenübung

18:08 Posted by uebersprache , No comments
Wer sich einmal als Feldforscher ausprobieren will, dem möchte ich zeigen, wie man leicht von zu Hause aus einen Einblick in die Materie bekommen kann. 

Die erste Aufgabe des Feldforschers, nachdem er sich Tonmaterial zum Beispiel durch Wortlisten gesichert hat, ist es, das Tonmaterial zu transkribieren. Eine einfache Möglichkeit ist es, die Tonspur mithilfe eines Bearbeitungsprogramms mit einer Textspur zu unterlegen. 

Und genau das können wir ausprobieren:
Im Internet kostenlos downloadbar ist das Programm Audacity, mit dem man Audiodateien aufnehmen, bearbeiten und mit Textspuren unterlegen kann.
An Tonmaterial kann man im Internet leicht über Youtube kommen. Am besten einfach ein Video in einer Sprache runterladen, mit der man sich schon ein wenig beschäftigt hat, damit die Arbeit für den Anfang nicht zu schwer wird. Um das Video als Tondatei zu speichern, kann man zum Beispiel das Programm ClipGrab verwenden, das ebenfalls kostenlos heruntergeladen werden kann.
Mit dieser Methode kann ganz einfach nicht vollständig verständliches Tonmaterial Wort für Wort auch mit verlangsamter Geschwindigkeit gehört und analysiert werden.
Viel Spaß beim Ausprobieren!